Das energieautarke Haus - das erschwingliche

05.05.2011 Nein, darüber haben Sie in der Bild am Sonntag noch nichts gelesen. Dieses Haus ist nicht nur rechnerisch energieautark.

PRAKTISCHE AUTARKIE

Autarkie bedeutet beispielsweise für ein Ökosystem: Was es veroder gebraucht, produziert es aus eigenen Ressourcen. Selbst Bauernhöfe waren bereits vor der Moderne kaum wirklich autark; man brachte seine Produkte zum Markt und holte heim, was einem da fehlte.

Für ein Einfamilienhaus oder gar industrielle Bauten ist eine umfassende Autarkie sinnlos und unerreichbar, aber wünschenswert und möglich ist sie bei der Versorgung mit und dem Verbrauch von Energie. Bisher gab es dafür vor allem gefühlte Gründe, etwa die Angst vor unterbrochenen Gaslieferungen aus Russland, oder neuerdings die Befürchtung, was uns nach Fukushima blüht, wenn AKWs schneller abgeschaltet werden als erneuerbare Energiequellen
verfügbar sind.

Spannender für jene, die kein neues Haus mehr bauen, ist eine andere Überlegung: Je mehr energieautarke Häuser dazu beitragen, dass die gesamte Versorgungslage entspannt wird, desto bequemer und billiger wird der Umstieg auf die Erneuerbaren. Und das nicht nur für den Energieverbrauch zuhause. Das energieautarke Haus von Helma ist nicht nur warm und beleuchtet, wenn ringsum alles ausfällt: Es lädt das Elektroauto auf, mit dem seine Bewohner zur
Arbeit fahren.

Zu unterscheiden ist zwischen der praktischen Energieautarkie des Helma-Hauses und einer theoretischen, nur errechneten. Bei dieser muss, wenn die Sonne nicht scheint, Strom aus dem Netz zugekauft werden. Echte Autarkie benötigt eigene Speicher; so ist die Energieversorgung im Helma-Haus auch beim Stromnetzausfall sichergestellt.


KNÜLLER MEHRFACH

Der offensichtliche Knüller des Hauses ist sein Preis: Es ist praktisch überall in Deutschland mit 163 Quadratmeter Wohnfläche schlüsselfertig für 363.000 Euro zu bauen. Alle Einzelheiten sehen Sie (mit Bildern) ab 5. Mai bei Helma www.helma.de (und bald auf www.timo-leukefeld.de). Auf den zweiten Blick finden Sie die ebenso bemerkenswerten Vorzüge:

Dazu zählt das speziell entwickelte solare Hausstromnetz, das der Familie den gewohnten Komfort belässt, indem es messbare Intelligenz anwendet: Geschirrspüler und Waschmaschine erhalten einen Warmwasseranschluss, die Pumpen arbeiten hydraulisch und mit geringstem elektrischen Widerstand, der Stromverbrauch der Bereitschaftssysteme ist drastisch reduziert. Mithilfe von
Zeitschaltuhren laufen die Stromfresser nur, wenn die Bewohner gerade wenig Strom verbrauchen, aber genug aus eigener Versorgung vom Dach zur Verfügung steht oder in den Akkus gespeichert ist. Insgesamt kommt so der Gesamtbedarf der bewohnenden Familie auf 1.500 bis 2.000 Kilowattstunden im Jahr.


Weitere liebevoll inszenierten Details erhöhen die Lebensqualität: Rauchmelder messen den CO2-Gehalt der Luft; sie bewirken, dass Schrittmotoren bei Bedarf Fenster anklappen und wieder schließen. Die Wandfarbe verwandelt durch einen Katalysatoreffekt Schadstoffe in unschädliche Verbindungen. Die textile Auslegeware und viele andere Materialien im Haus sind giftfrei und vollständig in Erneuerungskreisläufe rückführbar.


TECHNOSOPHIE

Sonnenfleckleser kennen unsere Technosophie: Planungsgrundlage sind die strengen Kriterien des Sonnenhaus-Instituts. Das Helma-Haus hat bessere Dämmwerte als sie der Gesetzgeber vorschreibt (KfW Effizienzhaus 55) und das mit einer monolithischen Außenwand - ohne Zusatzdämmung (U Wert 0,18). Das Gebäude ist mit einem 9 Kubikmeter Langzeitwärmespeicher (Wasser) und 46 Quadratmeter Kollektorfläche ausgestattet. Damit wird am Standort Lehrte eine solare Deckungsrate von 65 % erreicht, den Rest besorgen 1-2 Festmeter Stückholz für etwa 100-150 € pro Jahr.


Daraus folgt ein Primärenergieverbrauch von 9 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (70 Prozent besser als beim Passivhausstandard). So liegt das energieautarke Haus bei Heizkosten, CO2-Ausstoß und Primärenergieverbrauch deutlich unter dem Passivhaus. Der Verbrauch an Primärenergie wird bald jeden Bürger interessieren - warten Sie's ab!

Für die Stromversorgung sind etwa 8 KWp Photovoltaik in das Dach integriert mit angemessen dimensionierter Speichertechnik. Die Bewohner haben, außer für das gelegentliche Kaminfeuer, keine Heizkosten, keine Stromkosten, kaum Mobilitätskosten und sind von der öffentlichen Energieversorgung unabhängig.


Die Mehrkosten für die Energieautarkie betragen etwa 100.000 Euro; bei den zu erwartenden Energiepreisen sind sie binnen zehn bis zwanzig Jahren amortisiert, anschließend steht das Haus noch Jahrzehnte. Dennoch sei zum Schluss eine Lanze gebrochen für ähnliche Initiativen, die parallel zu der unsrigen laufen. Zu nennen ist etwa das von Bundesminister Ramsauer empfohlene Haus in Berlin. Allerdings kostet es 2,5 Millionen Euro für 130 Quadratmeter Wohnfläche.  Immerhin: So führen viele Wege - in die Zeit nach Fukushima. (ob)


Im Fernsehen sehen Sie das Helma-Haus:

5. Mai: ZDF Mittagsmagazin
5. Mai: Nachrichten abends im MDR
8. Mai: ZDF Umwelt

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