Das Holzfeuerchen betreibt keinen Rechner

Den Streit um Vor- und Nachteile des Passivhauses wird auch die vom Sonnenhausinstitut betreute Diplomarbeit von Katrin Koch nicht beenden. Ihre Arbeit ist für Skeptiker jederlei Herkunft dennoch einen Blick wert, denn die Autorin geht mit einiger Sorgfalt vor; da werden Äpfel mit Äpfeln vergleichbar gemacht.

Christine Benedix bei im Büro

Kenner wird das Ergebnis des Vergleichs nicht überraschen. Das Passivhaus benötigt weniger Energie, das weiß man, und schneidet dagegen in allen übrigen Kategorien schlechter ab als das Sonnenhaus: bei der Primärenergiebilanz, beim Kohlendioxidausstoß sowie bei den Energiekosten und den Investitionskosten. Muss aber nicht der Energieverbrauch das Hauptkriterium für die Entscheidung des Bauherrn sein, wäre also in Wirklichkeit das Passivhaus der Sieger? Das kommt darauf an, wie man die Energieträger bewertet: Das Standard-Passivhaus benötigt wenig, aber teure Elektrizität; das Sonnenhaus benötigt für den Kamin im Hause einfaches, billiges Holz, heizt aber vorwiegend nur mit der Sonne.

Werbung für das Passivhaus ("Haus ohne Heizung") könnte missverstanden werden. Gemeint ist: ohne Heizung wie wir sie kennen, also Heizkörper oder Fußbodenheizung. Stattdessen wird die Zuluft aus dem maschinellen Lüftungssystem bei Bedarf beheizt, meist mit Strom.

Strom ist eine Edelenergie, gut zum Betrieb des Rechners; ein gemütliches Kaminfeuerchen leistet das nicht. So ist das Sonnenhaus bei den Kosten für die Energie eben doch überlegen. Außerdem wird Strom nicht mehr billiger, darüber sollten Locktarife für Neueinsteiger nicht hinwegtäuschen. Wird uns dereinst so viel billiger grüner Strom zur Verfügung stehen, dass die Redaktion für diesen Satz Staub fressen müsste? Wir werden es erleben. Unerwähnt auch in dieser Diplomarbeit bleibt die Frage nach der Zumutbarkeit. Jeder sieht sie anders, hoffen wir also auf weitere Studien, etwa zu den gesundheitlichen Aspekten des Wohnens in verschiedenen Häusertypen, und zur Zufriedenheit der Bewohner.

Die Autorin erwähnt den Umstand, dass das Passivhaus im Markt besser dasteht als das Sonnenhaus. Sie begründet das mit dem Interesse der Industrie und der Energieversorger, die am Passivhaus ganz einfach mehr verdienen und deshalb mit aller Überzeugungskraft für dieses Konzept eintreten. Eine Zusammenfassung der Diplomarbeit finden Sie beim Sonnenhausinstitut: Sonnenhaus - Passivhaus: Vergleich zweier Bau- und Heizkonzepte - Ergebnisse der Studie. Die vielen interessanten Einzelheiten finden Sie in der vollständigen Diplomarbeit von Katrin Koch Sonnenhaus / Passivhaus - Vergleich zweier Baukonzepte für Minimalenergiebauweise

Kommentare

Keine Kommentare
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.