Der falsche Leumund

06.10.2010 Was hindert die Regierung, die Solarthermie beim Namen zu nennen? Ist das logisch einfache Konzept vom Mittelpunkt des Wärmehaushalts so schwer zu begreifen? Wohl kaum. Zwei mögliche Antworten gibt es.

Erstens steht dem Verstand ein typischer Reflex im Wege: „Solar – das bedeutet Photovoltaik!“ Diesen Zustand haben die Politiker herbeigeführt, indem sie alle Aufmerksamkeit des Marktes auf den Strom vom Dach gerichtet haben. Die Einspeisevergütung hat Leute auf den Plan gerufen, die den Mond von der Sonne daran unterscheiden, dass sie nachts keine Rendite kassieren. Von der Bäckerblume bis zum Spiegel sondern die Medien unter dem Stichwort „solar“ etwas über die Photovoltaik ab. Selten, dass einem Redakteur die Unterscheidung einfällt. Auf WWW-Seiten aus Deutschland ergugelt man folgende Fundstellen für die Suchbegriffe:

„solar“ & „photovoltaik“1.250.000 Ergebnisse
„solar“ & „solarthermie“272.000 Ergebnisse
„solar“ & „photovoltaik“ & „solarthermie“205.000 Ergebnisse

Das gibt hinlänglich genau wieder, dass die Photovoltaik fünfmal stärker im Bewusstsein der Netzbürger verankert ist als die Solarthermie. Andererseits liegt solares Heizen in der Beliebtheit vorne. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Sie wird verstopft von zigtausend Anlagen die - wenig nützen. Da lässt auch ein Umweltschützer, dessen Minianlage nur die Luft etwas reiner hält, den Satz fallen: „… Es macht sich aber nicht bezahlt.“ Das hören die Nachbarn und damit ist für sie das Thema abgehakt. Auch die Politiker hören ihn.

So überlagert - zweitens - bei Bauherren, Verbraucherschutzzentralen, Energieberatern, Architekten und Planern der immer gleiche Reflex die Wahrnehmung: Solarthermie, ganz nett, bringt aber nichts. Wahrscheinlich ist es an der Zeit, dass die – wenigen – Anbieter von Anlagen der Nutzklasse MX die Köpfe zusammenstecken und begrübeln, wie wir dem fortwährenden Ansehensverlust der Solarthermie entgegentreten. Es kann nicht angehen, dass wir Dilettanten das Feld überlassen, die uns „überdimensionierte Kollektorfelder“ vorwerfen, von der Thermodynamik und Ökonomie des solaren Heizens aber nicht die Hälfte verstanden haben, ganz zu schweigen von den schwarzen Schafen der Branche, die "solarthermische Anlagen" wie Kamelhaardecken an den Mann bringen.

Ein Beispiel für den erwähnten Dilettantismus: "Absoluter Schwachsinn diese Überdimmensionierten Solarspeicher. Das macht Leukefeld nur um seine schlechten Kollektoren an den Mann zu bekommen. Das ganze geht viel preiswerter und mit weniger Aufwand. Man sollte hier auch mal den Energieaufwand für die Herstellung der Kollektoren und Speicher mit einfließen lassen und den ständigen Verbrauch der vielen Pumpen." (Arno Abelt - Name von der Redaktion verändert)

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