Erfahrungen & Bewertungen zu Timo Leukefeld

Drei Fragen zum Sondermüll

06.12.2010 Die FAZ hat einen furiosen Verriss des anschwellenden Dämmwahns der Deutschen gebracht: "Die Burka fürs Haus – Wacht auf, Verdämmte dieser Erde: Was der neue Fassadenstreit über unser Land und unsere Zeit verrät."

Den Beitrag empfehlen wir zur gemütlichen Lektüre, trotz der vielen Übertreibungen. Eben sie machen eine Polemik aus. Ist sie gut geschrieben, bürstet sie das Denken gegen den Strich, und das kann nie schaden. Man muss ja nicht mit jedem Wort einverstanden sein. Uns fallen drei Gesichtspunkte auf, die man ganz nüchtern hervorheben sollte.

Der erste hat mit den Banken zu tun. Ein falsch gedämmtes Haus ist, wie wir von Michael Braungart lernen durften, ein Ansammlung von potenziellem Sondermüll. In der Regel wird die Entsorgung vor Ablauf der Hypothek fällig. Wenn sich das bei den Banken herumspricht, könnte es kritisch werden: Gedankenlos dämmen, nur weil es gerade jeder tut und Fördermittel frei fließen, sollte sich der Bauherr überlegen, und nur im angemessenenen Umfang verwirklichen.

Der zweite hat mit der Gesundheit zu tun. Wenn die halbe Bevölkerung an Allergien leidet, hat das viele Gründe. Auf einen hat – wiederum - Michael Braungart den Finger gelegt: Die Ausdünstungen von Baustoffen im Haus, in Verbindung mit Dämmung und Lüftung, mit Hausstaub, Schimmelpilzen und anderen Plagen kommt es zu Verkettungen von Ursache und Wirkung, die kaum noch reparabel sind. Wo soll man mit der Aufräumarbeit beginnen? Jedenfalls sollte man durch falsche Dämmung nicht noch eins drauflegen.

Den dritten Gesichtspunkt vertreten andere Experten. Nicht nur wir behaupten, dass in der Logik etwas fehlt, wenn sie besagt: Erstens so viel dämmen wie möglich; das reduziert zweitens den Heizenergiebedarf, den man drittens mit entsprechend geringerem Aufwand für eine moderne Heizung deckt. In dieser Reihenfolge klingt es logisch und schlüssig. Aber es stimmt so nicht. Wenn Sie für die Dämmung alles ausgeben, war es fast immer zu viel, denn auch hier bekommt man mit wachsenden Ausgaben immer weniger zusätzlichen Dämmnutzen.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Erst ermittelt man das mögliche Maximum, das mit erneuerbaren Energiequellen zu erreichen ist. Dann ermittelt man den vertretbaren Dämmaufwand. Als Drittes justiert man diese beiden Größen im Verhältnis zueinander, bis man ein komfortables Optimum (also einen Kompromiss) zwischen Heizung und Dämmung erreicht hat. Erst dann hat man die Lösung. Und man hat noch kein Geld vorschnell ausgegeben.

Es kann sein, dass der Bauherr mit Experten sprechen sollte, die beides im Auge haben, und noch einiges mehr. Wir kommen darauf zurück.

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