Viel Lärm um nichts

20.01.2012 Genial soll die Kombination Photovoltaik mit der Wärmepumpe sein. Auf den ersten Blick stimmt es: Über das Jahr erzeugt ein solches Haus mehr Strom aus der Sonnenenergie als es für den Betrieb der Wärmepumpe und den Haushaltsstrom benötigt.

 

Genial soll die Kombination Photovoltaik mit der Wärmepumpe sein. Auf den ersten Blick stimmt es: Über das Jahr erzeugt ein solches Haus mehr Strom aus der Sonnenenergie als es für den Betrieb der Wärmepumpe und den Haushaltsstrom benötigt.

Leider produziert die Sonne gerade dann am wenigsten Strom, wenn die Wärmepumpe davon am meisten benötigt: vom Herbst bis ins Frühjahr. Aus jeder Kilowattstunde Strom macht die Wärmepumpe drei bis vier Kilowattstunden Wärme (daher das Wort Arbeitszahl, hier beträgt sie 1:3 bis 1:4).

Demgegenüber erarbeitet eine solarthermische Heizung nach dem Sonnenhauskonzept aus jeder Kilowattstunde Strom (für Steuerung und Pumpen) hundert Kilowattstunden Wärme. Bei der Erzeugung von Sonnenenergie aus einem Quadratmeter Dachfläche mittels Kollektoren ist die Solarthermie zwei- bis dreimal effizienter und bei den Kosten für die Speicherung einer Kilowattstunde Energie in Wasser liegt die Solarthermie sogar 12 bis 40 mal niedriger als die Photovoltaik, welche diese in Akkus speichert.

Die Einnahmen aus PV-Strom sollen ja die Ausgaben für den Gesamtstromverbrauch ausgleichen. Dieses Gegenrechnen mag im ersten Jahr noch gelingen. Dann aber sinkt die Einnahme aus der PV-Vergütung, da die Inflation ihre Kaufkraft verringert.

Dennoch könnte sich die Überlegung zugunsten der Wärmepumpe mit Photovoltaik verschieben, unter einer Bedingung. Zugegeben, von ihr träumen wir alle: Wir erzeugen irgendwann aus der kostenlosen Energielieferung der Natur soviel Überschuss-Strom, dass die Preise dafür ganz, ganz niedrig ausfallen ...

Bis dahin erinnert der bilanziell über das Jahr erreichbare Ausgleich an den Witz über den statistischen Durchschnitt: Steht Einer mit den Füßen im kalten Eiswasser und mit dem nackten Hintern sitzt er auf der heißen Herdplatte, hat er im statistischen Durchschnitt eine angenehme Körpertemperatur.

Bleibt das Konzept der Wärmepumpe plus Photovoltaik auf die Warmwasserbereitung beschränkt, mag die Rechnung gerade noch aufgehen. Das wäre jedoch die grandiose Lösung eines kaum vorhandenen Problems. Etwa 80 Prozent des Energiebedarfs im privaten Haushalt werden für die Heizung benötigt, nur etwa 10 bis 13 Prozent für das heiße Duschen. Einzelheiten zu diesem Thema finden Sie in der erwähnten Gegenüberstellung in der Zeitschrift Sonnenenergie.[4] (ob)

[4] www.sonnenenergie.de

 

Liebe Leser,

in einem Absatz oben hatten wir eine falsche Formulierung veröffentlicht. Da ist uns beim Kürzen des Textes ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Selbstverständlich sinkt nicht die nominelle PV-Vergütung, sondern nur die reale, da sie durch die inflationär bedingte Veränderung der Kaufkraft de fact verringert wird.

Wir danken Dr. Aribert Peters, der uns gleich auf das Versehen hingewiesen hat.
Die Redaktion

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