Vom Hölzchen aufs Stöckchen

04.06.2010 Eine Buchvorstellung führte zu einem Schlüsselerlebnis, das wir mit unseren Lesern teilen möchten. Es wirft eine Frage auf, die Sie uns bitte beantworten.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Diese Volksweisheit kennen wir in ungezählten Abwandlungen. Es müsse eine kluge Frau sein, heißt es auch, denn stärker sei die Frau sowieso - sie gebäre Kinder, sie ertrage Leid besser, und im Grunde gebe sie das Maß vor. Picasso meinte daher: "Hinter jedem großen Mann stand immer eine liebende Frau, und es ist viel Wahrheit in dem Ausspruch, dass ein Mann nicht größer sein kann, als die Frau, die er liebt, ihn sein lässt."

Darüber lässt sich wunderbar streiten - am Kamin, den wir bei diesem Wetter in letzter Zeit gelegentlich gefeuert haben. Tatsache ist, dass beispielsweise Thomas Mann sein Werk nur zustandebrachte, weil eine nicht nur liebende, sondern auch enorm tüchtige Frau den umfangreichen Betrieb einer Familie am Zügel hielt, die aus lauter Exzentrikern bestand. Derweil durfte er sich der Literatur widmen. Inzwischen hat Angela Elis , die uns als Autor und Moderator sowie als guter Freund des Hauses bekannt ist, eine weitere starke, kluge, liebende Frau in Erinnerung gerufen: Bertha Benz. Ohne sie wäre Carl Benz vielleicht einer von vielen tüchtigen, aber verarmten Ingenieuren der Gründerzeit geworden, von denen keiner mehr spricht. Aber sie besaß die Courage nicht nur für die erste Überlandfahrt mit seinem Wagen, die dem Gefährt ("Vollständiger Ersatz für Wagen mit Pferden") den Durchbruch im Markt bescherte. Die schöne und energische junge Frau hatte bereits als Verlobte ihre Mitgift versilbert, um Karl Benz die Weiterführung seines Unternehmens zu finanzieren. Und immer, wenn er schwach wurde, hat sie ihm den Rücken gestärkt.

Kürzlich stellte Angela Elis ihr neues Buch über Bertha Benz im Fernsehen des SWR vor: Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg. So kommen wir vom Hölzchen aufs Stöckchen, denn anschließend begegnete Timo Leukefeld hinter der Bühne dem Moderator der Gesprächsrunde, Frank Elstner, der ihn leutselig fragte, was er denn so tue. Auf das Stichwort Solar gab Frank Elstner zu, auch er habe so eine Anlage. "Aber," sagte er, um Verständnis bittend: "Es ist nur eine Solarthermieanlage, wissen Sie!" Leukefelds Gesicht hat in dem Moment keiner fotografiert. "Was Sie nicht sagen," könnte er vor Schreck erwidert haben, aber dazu ist er zu gut erzogen.

Ist das Ansehen von Sonnenwärmeanlagen so mies, dass ein freundlicher älterer Herr meint, er müsse um Verständnis bitten, weil er für ein gehobenes Lebensgefühl eine kluge Anschaffung gemacht hat? Das fragen wir uns, und nun auch Sie: Müssen Sie sich genieren, weil Sie keine glitzernden Solarmodule für die Fotovoltaik auf dem Dach haben - bloß solarthermische Kollektoren?

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