Pauschalmieten und Energie-Flatrate – Ein Wohnungsmodell mit Zukunft

Miete mit Energieflat: Zwei energieautarke Mehrfamilienhäuser mit je 7 Wohneinheiten in Cottbus, Baubeginn 2017. 100 m² Solarthermie mit 25 m³ Langzeitwärmespeicher sowie 30 KWP Photovoltaik auf dem Dach und an den Balkonen mit 54 kWh Akku erreichen zwischen 65 und 77 solare Deckung bei Strom und Wärme. Der Vermieter kann dem Mieter für mehrere Jahre eine Pauschalmiete anbieten, in der Wohnen, Wärme, Strom und
E-Mobilität als flatrate bereits enthalten ist.

Um ein Mehrfamilienhaus als energieautarkes Gebäude zu gestalten, beläuft sich die Mehrinvestition für das Energieautarkiepaket bei einem Gebäude mit beispielsweise 6 Wohneinheiten auf etwa 380 Euro brutto pro Quadratmeter, ohne Berücksichtigung eventueller staatlicher Fördermittel. Damit liegen die spezifischen Zusatzkosten der Energieautarkie pro Wohneinheit 60 Prozent unter denen für Einfamilienhäuser. Werden die zukünftigen Betriebskosten in die Investitionskosten einbezogen, entstehen völlig neuartige Vermietungsmodelle: Vermieter können ihren Mietern feste Pauschalmieten für die Dauer von beispielsweise bis zu 10 Jahren anbieten, die neben dem Entgelt für das Wohnen, Wärme, Strom und E-Mobilität als Flatrate enthalten. Die Attraktivität des Modells kann mit einem oder mehreren Elektromobilen als Gemeinschafts-Fahrzeuge noch erhöht werden.

„Das Modell löst viele Konflikte zwischen Mieter und Vermieter“, erläutert Heiner Pott, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e.V. „Mieter sind über einen langen Zeitraum vor den stetig wachsenden Nebenkosten-Forderungen geschützt. Vermieter sparen neben dem erheblichen Verwaltungsaufwand jährlicher Betriebskostenabrechnungen, auch das Prozessrisiko etwaiger daraus resultierender Streitigkeiten, noch dazu um häufig relativ geringe Beträge.“

Weitere Vorteile liegen auf der Hand: Die langfristigen vertraglichen Bindungen führen zu längeren Verweildauern in den Wohnungen. Stetiger Mieterwechsel und auch der damit verbundene Verwaltungsaufwand entfallen. Selbst in Regionen ohne Wohnungsknappheit kommen rund 80 Bewerber auf eine Wohneinheit.

Einige energieautarke Mehrfamilienhäuser sind schon in den Startlöchern. Sie zeigen, dass dem Vermieter mit diesem Modell eine größere Bandbreite bei der Kalkulation des Mietpreises zur Verfügung steht. In einer deutschen Kleinstadt, beispielsweise steht der errechneten Energiepauschalmiete von 11,43 Euro/qm die höchste ortsübliche Kaltmiete in Höhe von 10,50 Euro gegenüber, die sich mit den Nebenkosten für Wärme, Strom und Benzin auf rund 12,50 Euro erhöht.

Über das tatsächliche Interesse an der Grundversorgung mit Wärme, Strom und Mobilität hinaus ergeben sich auch für Mieter weitere Vorteile: Das Modell kommt älteren Menschen entgegen, die im Hinblick auf ihre Renten nach Kostensicherheit streben, wie auch jüngeren Menschen mit Familie. Permanente Vergleiche komplizierter Kostengefüge von Stromanbietern entfallen ebenso wie der stete Blick auf die Tankuhr sowie „böse“ Überraschungen im Zusammenhang mit Nebenkostenabrechnungen.