27 Jan. Deutschlands Energiewende: Viel installiert, wenig geliefert
Warum wir uns mit Symbolpolitik ein Hochrisikosystem gebaut haben
Liebe Leserinnen und Leser,
Deutschland rühmt sich als Vorreiter der Energiewende. Auf Konferenzen, in wohlklingenden Absichtserklärungen und laut öffentlichem Tenor gilt das Land als Weltmeister der Erneuerbaren Energien. Die Realität hingegen ist ernüchternd und teuer. Und sie ist für Wirtschaft, Wohnungsbau und Energieversorgung gefährlicher, als viele Entscheider wahrhaben wollen. Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Sie erzählen eine Geschichte, die mit dem politischen Narrativ wenig zu tun hat.
Der große Mythos: 22 Prozent sind kein Durchbruch!
Betrachten wir das Fundament, den gesamten Energieverbrauch Deutschlands, also Strom, Wärme und Verkehr zusammen: Der Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch lag 2024 bei rund 22 Prozent. Nach vorläufigen Auswertungen hat sich dieser Wert 2025 wenig oder gar nicht verbessert. Das ist kein Meinungsstreit, sondern Statistik. Und mit 22 Prozent bleiben wir unter dem EU-Durchschnitt. Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland oder sogar Bulgarien liegen vor Deutschland.

Noch problematischer ist die Verteilung: Rund 50 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs entfallen auf Wärme, etwa 25 Prozent auf Mobilität und lediglich 25 Prozent auf Strom. Genau dort, wo politisch und medial der größte Fokus liegt. Die Erneuerbaren deckten 2025 im kleinen Anteil des Stromsektors laut Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) rund 55,9 Prozent ab. Klingt beeindruckend. Prozentual gesehen ist es jedoch genauso viel wie 2024. Im Wärmesektor stagniert der Anteil der Erneuerbaren seit drei Jahren bei 18 Prozent und in der Mobilität geht es mit weniger als 7 Prozent sogar rückwärts. In allen drei Verbrauchssektoren herrscht demnach Stillstand oder Rückschritt. Die Energiewende ist also kein ganzheitliches Projekt. Sie ist ein Stromprojekt mit Schlagseite.
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Die Leistung von 50 Atomkraftwerken gebaut, 3% geliefert
Zwischen 2020 und 2025 wurden in Deutschland rund 64 bis 72 Gigawatt neue Wind- und Solarleistung installiert. In der reinen installierten Leistung entspricht das etwa 45 bis 50 ehemaligen deutschen Atomkraftwerken. Das Ergebnis: Der Anteil Erneuerbarer am gesamten Endenergieverbrauch stieg im gleichen Zeitraum um etwa drei Prozentpunkte.
Drei Prozent. Das ist keine Transformation. Das ist eine wirtschaftliche Bankrotterklärung. Installierte Leistung wächst rasant, reale Energieerträge stagnieren. Offshore-Windparks nehmen sich gegenseitig den Wind weg und liefern weniger als prognostiziert. Solarenergie wird vor allem im Sommer produziert, wenn der Strombedarf in der Regel geringer ist als im Winter. Die Politik verwechselt offenkundig schon länger Arbeit mit Leistung. Megawatt werden gefeiert, Kilowattstunden ignoriert.
Wenn das Netz nur mit Notoperationen überlebt
Das Stromnetz ist der stille Krisenherd dieser Energiewende. Seit 2020 hat sich die Zahl der sogenannten Redispatch Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes nahezu verdreifacht. Ohne diese Eingriffe käme es zu Stromausfällen.
Vor 25 Jahren waren es 3 bis 6 Eingriffe pro Jahr, 2020 waren es knapp 6.798 Eingriffe, 2022 bereits 12.633, 2024 rund 17.297. 2025 wurden schließlich 19.318 Noteingriffe registriert. Das sind im Schnitt 53 Eingriffe pro Tag, um einen Blackout zu verhindern. Die Kosten für dieses Netzengpassmanagement stiegen von 608 Mio. Euro im 3. Quartal 2024 auf rund 667 Mio. Euro im 3. Quartal 2025 an.
Der Mechanismus ist absurd. Im Norden wird Windstrom abgeregelt, weil die Leitungen voll sind. Im Süden werden fossile, schnell regelnde Gaskraftwerke hochgefahren oder Strom importiert. Deutschland schaltet erneuerbare Anlagen ab und zahlt Entschädigungen, während es gleichzeitig teuren Strom aus dem Ausland einkauft. Das Netz hat seine physikalische Grenze erreicht. Ohne tägliche Eingriffe wäre es instabil, Stromausfälle sind die Folge. Ein modernes Industrieland sollte so nicht betrieben werden.
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Strompreis – Subvention statt Strategie
Der Strompreis ist längst politisch verwaltet. Für 2026 plant der Bund Zuschüsse von rund 31 Milliarden Euro, für EEG Konto, Netzentgelte, Stromsteuer, Stromkompensation und Industriestrompreis. Das entspricht etwa sechs Prozent des gesamten Bundeshaushalts.
Ohne diese Subventionen wären Strompreise für Industrie und Haushalte kaum tragbar. Gleichzeitig werden fossile Energien mit etwa 15 Milliarden Euro gefördert, ein rückläufiger Betrag. Der eigentliche Preistreiber ist nicht der fossile Anteil, sondern es sind die Systemkosten eines schlecht integrierten Ausbaus Erneuerbarer Energien. Deutschland zahlt also doppelt. Einmal für den Ausbau. Und ein zweites Mal für die Reparatur der Nebenwirkungen.
Vom Exportweltmeister zum Importland
Bis 2023 war Deutschland regelmäßig Stromexportland. 2017 betrug der Exportüberschuss rund 60 Terawattstunden. Seit Abschaltung der Kernkraftwerke ist Deutschland nun Nettoimporteur. 2024 wurden etwa 28 Terawattstunden importiert, 2025 immer noch 22 Terawattstunden. Kostenpunkt: mehr als zwei Milliarden Euro jährlich. Wohlgemerkt in einer Phase, in der die Leistung der installierten Erneuerbaren auf Rekordniveau liegt. Versorgungssicherheit sieht anders aus.
Obwohl sich der Import von Strom im vergangenen Jahr reduzierte und der Export erhöhte, erhöhten sich die Kosten für den Einkauf im Vergleich zu 2024. Der Grund für diesen überraschenden Kostenanstieg findet sich in der höheren Kostensteigerung beim Importstrom. Während der Preis für Exportstrom von 2024 zu 2025 um 14,1 Prozent gestiegen ist, verteuerte sich der Importstrom um 17,4 Prozent.
Kosten, die niemand ehrlich beziffert
Was hat die Energiewende bisher gekostet? Niemand weiß es genau. Was sie noch kosten wird, ist jedoch erschreckend klar. Studien im Auftrag der Industrie- und Handelskammer beziffern allein die Energiewende bis 2045 auf fünf Billionen Euro. Rechnet man alle weiteren Sektoren hinzu – Gebäude, Industrie, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Verteidigung – dürften diese Kosten um ein Vielfaches höher liegen.
Gleichzeitig haben laut Spiegelmagazin bereits heute 4,2 Millionen Menschen in Deutschland Schwierigkeiten, ihre Energierechnungen zu bezahlen. Sie leben in Energiearmut. Ab etwa sechs Millionen kippt erfahrungsgemäß die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Energiewende ist sozial also hochgradig fragil.
Die unbequeme Wahrheit
Die Energiewende scheitert nicht an Wind und Sonne. Sie scheitert an Systemdesign, Ideologie und politischer Bequemlichkeit. Deutschland baut Erzeugung ohne ausreichend Energiespeicher. Erzeugung ohne ausreichend ausgebaute Netze. Erzeugung ohne ausreichend ausgebaute Marktlogik und ohne flächendeckende flexible Preissignale. Jahresbilanzen ersetzen Echtzeitfähigkeit. Mittelwerte ersetzen Versorgungssicherheit.
Eine echte, nachhaltige Energiewende braucht keine Symbolpolitik, sondern intelligente ausgebaute Netze, flexible Stromverbraucher, Stromspeicher, Sektorenkopplung und eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse. Keine Frage: Der Umbau unseres Energiesystems ist notwendig. Aber nicht um jeden Preis und nicht mit verbundenen Augen.
Wer jetzt nicht umsteuert, riskiert nicht nur wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, sondern die Stabilität eines gesamten Industriestandorts. Und das wäre die teuerste Fehlinvestition der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Sie haben ein Objekt im Bestand oder planen eine Investition? Lassen Sie uns prüfen, ob es sich zur Renditeperle transformieren lässt. Der Plattenbau ist nicht das Ende – er ist der Anfang. Für ein neues Denken.
Herzlichst,
Ihr Timo Leukefeld
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